Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Sie roch nach zu viel miserablem Gin, kaltem Rauch und Weichspüler. Ihr Haar war brüchig und dennoch akkurat zu einer Diven ähnlichen Frisur gesteckt. Ihre bebenden Brüste eingepfercht in geschnürten Stoff bewegten sich drohend auf mich zu. Sie zog an etwas Zigaretten ähnlichem und lachte schrill als sie sagte er sei ein Tyrann gewesen. Da ihr nach Blut riechender Husten mich mit Nebel erfüllte war ihr bestimmender Griff in meinen Schritt wie ein Schlag aus weiter Ferne.
Sie drückte mir ihr Glas in die Hände und säuselte mit tiefer Stimme in mein Ohr: „trink“. Ich trank
und mit jedem Schluck des alten mit Eiswürfel gestreckten Fusels drehten sich meine Gedanken, oder was davon übrig war, eintönig. Der Glaube, der mir nicht erschließbaren Freiheit zum greifen nahe zu sein oder auch der heftige Schlag auf meinen Schädel führten letztendlich zu einem kichernden Kotzen.

Das Kichern wie ein dumpfer Ton lassen in mein Hirn ein Ohrenbetäubendes Orchester tosen.
Hinter mir ertönt der Schrei einer Frau im Wechsel mit einem sich daran ergötzenden Lachen.
Wo befinde ich mich?- Blinzelnd erhasche ich ein verdrecktes Stuhlbein und eine Staubwolke,
welche sich wie eine an schleichende Katze von mir weg auf mich zu bewegt.
Bescheint ist das elendige Schauspiel von einem dieser schäbigen rot leuchtenden Reklame Neonröhren. Die man sonst nur aus Hollywood streifen und notdürftigen Friseursalons kennt.
Mir wird wieder schlecht und ich versuche mich aufzuraffen stehe schwankend, am Bettpfosten klammernd vor einem verschwommenen stöhnenden Szenario und Kotze.

Dunkelheit um mich herum, der Geschmack von Blut und Kotze, mein Schädel dem implodieren nahe, meine linke Seite pocht und ich tauche ein in Sternenreigen. Irgendwo dröhnt eine trostlose Tuba oder so was in der Art- ehrlich gesagt habe ich keinen Schimmer von Blasinstrumenten.
Ich muss lächeln. Tubaspieler sind doch immer kleine dicke freundliche Kerle in von Mama gebügelten Pionier Uniform. Solche denen Pfadfinder und Messdiner zu gefährlich waren.
Mein gerade erreichtes Glücksgefühl sowie der Tubaspieler werden von einem Ruck und einem Läuten unterbrochen. Mit der dahin geschiedenen Seligkeit tritt Salz in mein Gesicht. Tränen?
Eine gewisse Beständigkeit verschafft mir dennoch Sicherheit: Mir wird schon wieder schlecht und diese gleichmäßige Bewegung trägt nicht gerade zur Stabilisierung meines Magens bei.
Gleichmäßige Bewegung? Ich versuche, um mir einen Eindruck über die aktuelle Lage zu verschaffen, meinen Kopf zu heben, verliere dabei das Gleichgewicht und stürze in Untiefen meiner Selbst.

Zum Abschied gab es Bombermarmeladigen Frohsin!

21 Wochenenden sind 1008 Stunden ergeben Sechs Wochen ergeben 42 Tage können ein Sommer sein.
36 000 letzte Sekunden umhüllt von einem Versuch der Unfähigkeit des Zählens.
kein Strick kein Handschlag
ein Augenaufschlag des Aufwärmens
3 Minuten voll Achselzucken
eine vorwurfsvolle ¾ Stunde
die Eroberung: Bombermarmelade!

7 stunden fegen

Mein Magen dreht sich 3 mal um seine Eigene Achse, ich stehe wieder und Fege, 7 Stunden Täglich ,grauen Asphalt. Wenn Sie mich fragen welcher Tätigkeit ich nachgehe, und glauben Sie mir wenn Sie mich sehen, werden Sie nie fragen. Warum? Niemand möchte hören das es Menschen gibt die auf dem Friedhof arbeiten. Und dies ist nun mal das was sie denken wenn sie mich sehen: Friedhof. Ich weiß es, es sind meine Augenringe, welche mein restliches Gesicht verschlucken. Es sind meine Füße, schwer wie Blei, die mich zwingen in ihrem Kaffee ungebeten platzt zunehmen. Es ist mein lautloses Husten, der Ihren Blick senken lässt. Und es ist mein Schweigen, das sie so wütend macht. Sie denkt sie sei unattraktiver als früher und hat sich für viel Geld die Nase richten lassen. Ich habe genickt und dabei einen Geldschein gezogen. Tage lang ist sie nicht aus ihrem Zimmer gekommen, hat sich geschämt oder erwartet das ich etwas sage. Irgendwann hat sie den Schlüssel umgedreht und sich neben mich gesetzt. Ich glaube sie wollte etwas sagen, doch es klingelte. Unsere Blicke kreuzten sich und nach dem es zum 2 mal klingelte schleppte ich mich zur Tür. Post, von einer Freundin. Von der mit dem Leben, den Geschichten, Träumen und Plänen. (Wäre sie männlich würde sie es liebevoll midlife crisis betiteln) Welch eine Freude! Während sie sich über das Paket stürzte, griff ich mir Mantel und Hut und huschte langsam zur Tür hinaus. Als ich wieder kam, nach 7 Stunden fegen, war sie verschwunden. Die Achte Stunde bricht an und ich fege. Morgen werden es wohl 9 Stunden.

Von und Zu Jedermann

In Satin gebadet. In Gold begraben. Steht sie verloren, sich an ihr Leben, an ihr Chanel no5 klammernd, mitten auf dem platten Land. Auf ihre Gedanken ist verlass, sie lässt sie das Kleid für die morgige Gesellschaft mit Von und Zu Jedermann auswählen, nach kurzem Zögern den dazu harmonierenden Lippenstift und das, wohl noch anzuschaffende, pasende paar Schuh. Dabei entgeht ihr das einige wenige, noch nicht vom süßlichen Duft der Dame eingeschläferten Schafe, genüsslich den Saum ihres, im Wert einer ganzen Schafherde stehendes, Kleides verputzen.

Bordeaux rotes Zwinkern stürzt sich in die Fluten der stürmischen See.
Schlägt ein Salto nach dem anderen.
Setzt zum Landgang an.
Huscht wieder zurück und verwandelt sich violett.
Singt zum Abschied vergnügt und wird eins mit der Gicht.
Taucht lachend wieder auf um dann, im Nachthimmel zu versinken.